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Sangha

Sangha und das Prinzip spiritueller Hierarchie

Es liegt in der Natur eines Pfades, dass manche, die ihm folgen, weiter vorangekommen sind als andere. Im Sinne spiritueller Reife oder Entwicklung entsteht daraus eine Art Hierarchie. In der heutigen Zeit wirft eine solche Aussage natürlich viele Fragen auf und weckt vielleicht auch ein gewisses Unbehagen. Wer ehrlich ist, wird aber zugeben müssen, dass es — wenn es überhaupt so etwas wie spirituelle Entwicklung gibt — natürlich auch verschiedene Entwicklungsgrade oder -stufen geben wird. Das eine folgt aus dem anderen. In der buddhistischen Geschichte durch die Jahrtausende galt es als völlig selbstverständlich, dass manche Menschen weiter fortgeschritten sind als andere, und dass es überdies für den eigenen Fortschritt hilfreich ist, den Lehrern und besonders den Erleuchteten mit Respekt und Verehrung zu begegnen. Die Menschen in traditionell buddhistischen Ländern Asiens finden das auch heute noch selbstverständlich. Sie wissen auch, dass spirituell fortgeschrittene Menschen aus ihren Erfahrungen keine Machtansprüche oder persönlichen Vorteile ableiten. Viele Menschen im Westen hingegen übertragen egalitäre Einstellungen, die in Politik und Gesellschaft durchaus angebracht sein mögen, voreilig auf das Gebiet spiritueller Praxis und tun sich schwer damit, Lehrern und fortgeschrittenen Praktikern mit Respekt, ja sogar Hingabe zu begegnen.

Gleichwohl ist es wichtig und richtig zu sehen, dass Hierarchie auch missverstanden und missbraucht werden kann. Selbst in der kurzen Geschichte des Buddhismus im Westen hat es schon einige Skandale und Missbrauchserfahrungen gegeben. Der Buddha selbst warnte seine Schülerinnen und Schüler davor, die Lehre ungeprüft einfach hinzunehmen. Er warnte auch davor, bei der Auswahl von Lehrern falsche beziehungsweise oberflächliche Kriterien anzulegen, zum Beispiel Ruhm, persönliches Charisma und dergleichen.

Dennoch kommt man um das Prinzip der spirituellen Hierarchie letztlich nicht herum. Wer Erleuchtung anstrebt, muss gleichermaßen bereit und fähig sein, den weiter Entwickelten zu vertrauen und zugleich mit wacher Aufmerksamkeit und Urteilskraft prüfen, wie weit dieses Vertrauen angemessen ist.

Ein Aspekt, der vielen Menschen im Westen besonders schwer fällt, ist mit den zeremoniellen oder förmlichen Ausdrucksweisen von Ehrerbietung verbunden, wie man sie in praktisch allen asiatischen Formen des Buddhismus findet. Manche finden es in diesem Zusammenhang hilfreich, das Prinzip der spirituellen Hierarchie so zu verstehen, dass sie in der Person des Buddha, des Lehrers oder der Lehrerin ihr eigenes Erleuchtungspotenzial — die uns als Menschen eingeborene Möglichkeit, Erleuchtung zu erlangen — mit Freude, Respekt und Verehrung würdigen. Indem wir gegenüber den buddhistischen Meisterinnen und Meistern Achtung erweisen, durch Verbeugung, Geschenke oder was auch immer, drücken wir aus, dass Erleuchtung das Wertvollste ist, das es in diesem Leben für uns gibt.